Wer zum ersten Mal Plakate bucht, wundert sich oft: Warum kann ich meine Kampagne nicht einfach am Montag starten? Was ist eine Dekade, und warum steht in meinem Angebot „Block A“? Die Antwort ist ganz praktisch. Klassische Plakate werden von Hand geklebt, und dafür braucht es einen festen Takt. Hier erkläre ich, wie die Buchung von analoger Plakatwerbung funktioniert und warum sie so aufgebaut ist.
Warum Plakate in festen Zeiträumen laufen
Ein Großflächenplakat hängt nicht per Knopfdruck. Klebekolonnen fahren die Stellen ab und kleben das neue Plakat Bahn für Bahn auf. Das alte Motiv wird dabei meist einfach überklebt. Erst wenn die Papierschichten zu dick und zu schwer werden, wird die Fläche komplett abgelöst. Allein ein großer Vermarkter betreut zehntausende Flächen. Damit das planbar bleibt, wird nicht zu beliebigen Terminen geklebt, sondern in einem festen Rhythmus, für alle Kunden gleich. Dieser Rhythmus ist der Dekadenplan.
Was eine Dekade ist
Eine Dekade ist der Standard-Buchungszeitraum für Großflächen, Ganzsäulen und Allgemeinstellen. Sie dauert abwechselnd 10 oder 11 Tage, im Schnitt also 10,5 Tage. Das Jahr hat 34 Dekaden. Nur die erste und die letzte Dekade rund um den Jahreswechsel sind mit 14 Tagen länger.
Der Dekadenplan legt für jede Dekade fest, wann sie beginnt und endet. Er wird jedes Jahr vom B|A|M Bundesverband Aussenmedien gemeinsam mit den Vermarktern festgelegt und verabschiedet und gilt damit einheitlich für den Markt. Mehrere Dekaden hintereinander lassen sich natürlich ebenfalls buchen.
Erfunden hat das Dekadensystem Günter Freund, der Gründer der awk-Gruppe aus Koblenz, eines der großen deutschen Außenwerbeunternehmen. Heute wird bei nahezu allen klassischen Plakatmedien in Deutschland nach seinem Rhythmus geklebt.
Der Dekadenplan ist der Takt, in dem die Klebekolonnen arbeiten.
Klebeblöcke: Warum es Block A und Block B gibt
Selbst mit vielen Kolonnen lassen sich nicht alle Flächen in Deutschland am selben Tag bekleben. Deshalb ist jede Dekade in Klebeblöcke aufgeteilt. Block B beginnt und endet jeweils drei bis vier Tage nach Block A. So verteilt sich die Arbeit über die Woche.
Welche Stelle zu welchem Block gehört, legen die Vermarkter nach festen Gebieten fest. Die Zuordnung steht im Angebot. Für die Planung heißt das: Eine bundesweite Kampagne startet nicht überall am selben Tag, sondern je nach Block um ein paar Tage versetzt.
Ein Beispiel aus dem Dekadenplan 2026: Dekade 27 läuft im Block A von Freitag, 2. Oktober, bis Montag, 12. Oktober. Im Block B läuft dieselbe Dekade von Dienstag, 6. Oktober, bis Donnerstag, 15. Oktober.
Vor-, Haupt- und Nachklebetag
Auch innerhalb eines Blocks wird nicht alles an einem einzigen Tag geklebt. Die Plakatierung verteilt sich auf drei Tage: den Vorklebetag, den Hauptklebetag und den Nachklebetag. Der Hauptklebetag ist der offizielle Beginn der Dekade, an ihm wird der größte Teil der Flächen beklebt. Am Vorklebetag beginnen die Kolonnen bereits, am Nachklebetag werden die restlichen Flächen geklebt.
Für dich heißt das: Ein Plakat kann einen Tag vor oder nach dem offiziellen Dekadenbeginn hängen. Das ist kein Fehler, sondern gehört zum System. Bei Kampagnen mit festem Stichtag, etwa einer Eröffnung, sollte man das einplanen.
Wie eine Buchung abläuft
- Anfrage und Verfügbarkeit: Du nennst Region, Zielgruppe, Zeitraum und Budget. Der Vermarkter oder die Agentur prüft, welche Stellen in den gewünschten Dekaden frei sind.
- Auswahl der Stellen: Großflächen werden meist als Einzelstellen ausgewählt, oft nach Leistungswert, also dem PpS, und nach Lage. Andere Formate werden als Netz gebucht.
- Reservierung und Auftrag: Stellen lassen sich meist erst reservieren und dann fest buchen. Wichtig ist die Stornofrist im Dekadenplan, sie liegt oft mehrere Wochen vor Dekadenbeginn.
- Druck und Anlieferung: Die Plakate müssen rechtzeitig gedruckt und beim Vermarkter oder seiner Klebekolonne angeliefert werden. Der Dekadenplan nennt für jede Dekade den spätesten Termin für Druckdaten und für den Plakateingang, meist rund zwei bis drei Wochen vor Beginn.
- Aushang und Nachweis: Die Kolonnen kleben in den Klebetagen des jeweiligen Blocks. Viele Vermarkter belegen den Aushang anschließend mit Fotos.
Worauf du beim Druck achten solltest
- Ersatzplakate einplanen: Plakate können beim Kleben reißen oder später beschädigt werden. Üblich sind rund 10 % Ersatz pro Motiv, im Herbst und Winter eher mehr.
- Vorgaben des Vermarkters beachten: Großflächenplakate werden in mehreren Teilen gedruckt, die nummeriert, gefalzt und gemappt angeliefert werden müssen. Papier, Formate und Lieferschein sind in den technischen Vorgaben des jeweiligen Vermarkters festgelegt.
- Puffer lassen: Wer erst kurz vor dem Plakateingangstermin druckt, hat bei Fehlern keine Zeit mehr für einen Nachdruck.
Und die beleuchteten Formate?
City-Light-Poster und Mega-Lights hängen hinter Glas und werden nicht geklebt, sondern eingesetzt. Sie werden deshalb meist wochenweise und als Netz gebucht. Digitale Screens folgen gar keinem Klebetakt. Dort lassen sich Motive kurzfristig tauschen und Kampagnen auch programmatisch steuern.
Was heißt das für deine Planung?
- Rückwärts planen: Vom Wunschstart über den Plakateingang und die Druckdaten zurück bis zur Buchung. Rund vier bis sechs Wochen Vorlauf sind realistisch.
- Den Block kennen: Bei bundesweiten Kampagnen starten die Stellen je nach Block um ein paar Tage versetzt.
- Klebetage einkalkulieren: Bei festen Stichtagen lieber eine Dekade früher starten.
- Fristen im Dekadenplan prüfen: Druckdaten, Plakateingang und Stornofrist stehen dort für jede Dekade.
Der Dekadenplan wirkt auf den ersten Blick altmodisch. Er sorgt aber dafür, dass zehntausende Plakate pünktlich und zuverlässig hängen. Wer seinen Takt kennt, plant entspannter und vermeidet teure Überraschungen.
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